Viel zu viel bin ich
immer noch weiter
im Büro.
Viel zu viel denke ich
immer noch weiter
darüber nach.
Viel zu viel übernehme ich
immer noch weiter.
Viel zu viel nehme ich
immer noch
mit nach Hause.
Viel zu viel beschäftigen mich
solche Menschen
immer noch weiter.
Kalte Wut
die sich mit Ohnmacht, Erinnerungen
Geschichten und Schweigen
zu einem matschigen Brei vermischt,
den außer mir
längst keiner mehr will.
Loyalität, die einen
hohen Preis zahlt
Ich verabreiche mir
die Dosis Gift
jedes Mal selber mit,
denn kalte Wut
kennt das alles längst
und kämpft nicht mehr
sie trägt und steckt fest
Nicht jede Wut, die ich verstehe,
nehme ich mit nach Hause
sie soll nicht bei mir wohnen
sie bleibt da, wo sie
hingehört,
bei den anderen.
Was und wer bin ich
ohne all das
ohne den Job,
ohne die kalte Wut,
ohne all das,
das ich jahrelang
getragen habe,
weil ein Teil in mir dachte,
das muss so sein
Diese Stimme gehört
dem fiesen, matschigen Broccoli
der möchte, das alles bleibt
wie es ist und er weiter sein
Unwesen im mir treiben kann
„Du bist längst weiter!“, sagt der Elefant. „Du willst keinen matschigen Broccoli mehr, du wolltest ihn auch nie. Du liebst Kaffee am Meer oder zur Premiere im Schrebergarten mit Menschen, die das zu schätzen wissen.“
Sie nickt, wirft alle giftgrünen, matschigen Gedanken in hohem Bogen ins Meer vor dem Balkon, schreit so laut sie kann und setzt sich wieder zum Elefanten, der ihr eine Tasse Kaffee reicht.
„Was für ein schöner Morgen!“, sagt er und sie stoßen gemeinsam mit der Ente auf diesen freien Tag an. Der Blick zum Meer ist wieder unverstellt, wieder frei.
„Ich lasse mir den Blick nicht mehr so einfach verstellen und sorge dafür, dass das Gift bei den Menschen bleibt, die es in die Welt geben. Den Rest überlasse ich Karma.“
„Auf Karma!“, sagt der Elefant.
„Auf alles, das nicht matschiger Broccoli ist!“, freut sich die Ente und lässt sich ein Stück Yogurette zum Kaffee schmecken, das sie aus dem Kühlschrank geholt hat.
